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Die Hüklüth-Sage

In alter Zeit, als sich überall auf der Welt noch Riesen zeigten, wohnte hier in der Gegend ein Riese, der hieß Hüklüth. Hüklüth trieb sich immer mal wieder gern im Teufelsmoor herum, weil er gar nicht genug davon kriegen konnte, den Lerchen zuzuhören. Er trug Holschen an den Füßen, die waren groß wie Kähne. In denen lief er den ganzen Tag hinter den Lerchen her, und unter ihm quaatschte und spritzte der Sumpf. Besonders anstrengend aber wurden seine Moorwanderungen für ihn, wenn das Wollgras reif war und seine hellen Büschel trug, denn Wollgras liebte er über alles, weil es ihm so leicht und zart vorkam. Es kam für ihn gleich hinter den Lerchen, und er wäre lieber für immer im Moor versunken, als auch nur aus Versehen auf so ein Wollbüschel zu treten. Er sprang hierhin und dorthin, versuchte sogar auf Zehenspitzen zu gehen, und tanzte seinen ängstlichen Holschentanz so lange, bis er bis an die Knie im Matsch steckte. Und dabei hatte er noch Glück, dass er ein Riese war, sonst wäre er wohl ganz versunken. Nun geht es den Riesen wie den Menschen – wenn für sie eine Sache zu schwierig wird, fangen sie an sich Gedanken darüber zu machen, wie sie’s ein bisschen leichter haben können. Hüklüth blieb ungefähr dreihundert Jahre im Sumpf stehen und dachte nach. Es dauert lange, bis ein paar Gedanken durch den Kopf eines Riesen gezogen sind, und noch viel länger dauert es, bis ein Riese auch tut, was ihm eingefallen ist. Aber eines Tages war es soweit. Er wollte überall im Moor Sandbulken aufschütten, auf denen er gehen konnte, ohne auf das Wollgras zu treten. Hüklüth zog seine Beine aus dem Sumpf, borgte sich bei seinem Freund Hildebrandt aus der Lüneburger Heide einen Riesen-Sack, und mit wenigen Schritten war er in der Gegend von Bremen, wo es eine Menge Sand gab. Er schaufelte den Sack so voll, dass er ihn kaum noch zubinden konnte, aber er dachte sich, die paar Schritte zurück ins Teufelsmoor, die würde er schon schaffen. Der Sack hatte aber ein Loch, und schon beim ersten Riesen-Schritt verlor Hüklüth bei Hagensfähr ein bisschen Sand, daraus wurde später die Warft an der Wümme. Und beim zweiten Schritt fiel im Sankt-Jürgens-Feld wieder ein kleiner Haufen Sand heraus, auf dem wurde später die Kirche von Sankt Jürgen gebaut. Immer ängstlicher guckte Hüklüth nach hinten und versuchte mit seiner einen großen Hand das Loch zuzuhalten, aber je schneller er sich bewegte, desto schneller bewegte sich auch der Sand – und deshalb gibt es jetzt die vielen Sandhügel rund um das Teufelsmoor – mal hier, mal da. Ein Sandkorn in seinem einen Holschen, das war alles, was Hüklüth zuletzt noch bei sich trug, und dieses Sandkorn peinigte ihn. Er zog den Holschen aus, kippte ihn um, und das Sandkorn fiel heraus. Ihr könnt es heute noch besichtigen: es ist der Weyerberg. Wo Hüklüth hingekommen ist? Der sitzt irgendwo im Teufelsmoor wo es noch Wollgras gibt und wo die Lerchen singen und macht sich Gedanken.

Margarete Jehn (nach Heinrich Schriefer)

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